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Weihnachtszeit – eine Zeit zum Innehalten
Die Tage werden kürzer – aber es gilt noch viel zu erledigen vor Weihnachten. Oder wir entscheiden uns gegen den Stress und genießen die Abende mit Kerzenlicht im Kreis der Familie.
Ein Erlebnis, während den mehr oder weniger bewusst erlebten 59 Adventszeiten in meinem Leben, gibt mir immer wieder Impulse, mit offenen Augen durch den Advent zu gehen.
Wir waren mit der Familie auf dem Weg nach Bielefeld – es war ein Samstagvormittag – und fuhren die Eckendorfer Straße entlang. Plötzlich staute sich der Verkehr vor einer Ampel- nach ca. 10min ging’s dann weiter- als wir an der Kreuzung vorbeifuhren, konnten wir den Grund erkennen, warum wir so lange warten mussten. Ein Mann konnte kaum gehen und war mit kleinen Trippelschritten langsam über die Kreuzung gehumpelt. Jetzt hatte er die Straße fast überquert.
Automatisch schauten wir uns alle im Auto an – es war unmöglich, einfach weiterzufahren und Weihnachtseinkäufe zu machen, wenn wir so einen hilflosen alten Mann stehenlassen würden. Also drehten wir um und fuhren zurück zur Ampel. Der alte Mann stand auf dem Bürgersteig, die Anstrengung war deutlich erkennbar. Wir fuhren auf den Ampel-Fußgängersteig und boten dem Mann unsere Hilfe an. Letztendlich wollte der Mann es doch alleine versuchen, die verbliebenen 200 Meter weiter zu einem Markt zu gehen, aber er freute sich sehr darüber, als wir ihm anboten, ihn in den kommenden Tagen zu besuchen – vor allem, weil er die Advents- und Weihnachtszeit ganz alleine verbringen würde.
Einige Tage später bin ich mit unserem Sohn Dani zu dem Mann nach Heepen gefahren. Er wohnte im 2ten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses – auch für Dani als gehbehindertem Jungen war es eine Tortur zu Fuß bis ins 2te Stockwerk zu kommen. “Wie der Mann das wohl schaffte?”, fragten wir uns. Aber was wir dann sahen, verschlug uns den Atem. Die ganze Wohnung roch sehr unangenehm – überall Müll, der Mann war auf die Dialyse angewiesen… Es war eine schöne Zeit miteinander – wir haben ein wenig in das Leben eines enttäuschten und verlassenen Mannes reinschauen können. Dani spielte ein paar Musikstücke auf seiner Gitarre, wir hatten ihm ein Geschenk mitgebracht, tranken zusammen Kaffee und sprachen über Weihnachten – über Jesus, der uns liebt und vor vielen Jahren auf die Welt gekommen ist, um uns Menschen Hoffnung und ewiges Leben zu geben.
Als wir gingen, bot ich an, einige Tage später wiederzukommen und beim Aufräumen zu helfen – die vielen Säcke mit Müll/Tupfern runterzubringen. In den folgenden Tagen war ich einige Male bei ihm, inzwischen war schon Heiligabend – aber ich klingelte vergeblich. Schließlich klingelte ich bei verschiedenen Nachbarn, bis jemand öffnete. Dabei erfuhr ich, dass der Mann gleich nach unserem letzten Besuch verstorben war. Wir hatten nicht erwartet, dass wir ihn nicht mehr lebend antreffen würden. Konnten wir diesem alten, verbitterten Mann ein wenig Hoffnung machen? Ihm zeigen, dass er nicht nur für uns bis dahin Unbekannte, sondern auch für Gott eine Bedeutung hatte? Dass Jesus auch ihn liebt und dass wir ihm ein wenig von der Liebe Gottes weitergeben konnten?
„Denn der Sohn des Menschen – Jesus Christus – ist gekommen, um das Verlorene zu retten“
Die Bibel - Matthäus 18,11
Als ich hörte, dass in unserer Gemeinde für den Heiligabend die Geschichte vom „Vater Martin“ vorbereitet wird, dachte ich unweigerlich an unser Erlebnis. Kennen Sie die Geschichte von „Vater Martin“? Kinder und Erwachsene werden diese Geschichte in Lied und Anspiel vortragen. Falls ich Sie ein wenig neugierig gemacht habe und Sie noch nicht geplant haben am Heiligabend in einen Gottesdienst zu gehen, möchte ich Sie für den 24.12 um 16:00Uhr in die ECG – evangelische Freikirche in Kachtenhausen einladen. Unser Wunsch dabei ist, dass wir unsere Herzen für Jesus Christus und unseren Nächsten öffnen
Willi Schmidt
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